Field Notes

ChatGPT-Werbung, neue Qwen-Modelle und KI für deinen Arbeitsalltag

Wichtige Entwicklungen, ihre Bedeutung für dein Unternehmen und konkrete Schritte zum Ausprobieren.

Wichtige KI-Nachrichten

ChatGPT-Werbung: neue Werkzeuge für Marketingteams, unterschiedliche Startphasen

OpenAI hat am 16. September neue Werbefunktionen angekündigt. Sponsored Agents ermöglichen nach einem Anzeigenklick ein Gespräch mit einem vom Unternehmen finanzierten Agenten. Sie werden mit ausgewählten US-Werbekunden getestet. Ein Ads-Manager-Plugin unterstützt das Erstellen und Auswerten von Kampagnen per Texteingabe. Die HubSpot-Anbindung umfasst Anzeigen und die Nachverfolgung von Interessenten. Die Shopify-App ist für US-Händler verfügbar. Für den 23. September ist die Ausweitung auf weitere unterstützte Werbemärkte vorgesehen. Die Funktionen befinden sich also in unterschiedlichen Startphasen.1

Warum das wichtig ist: KI-Gespräche werden zu einem weiteren Ort, an dem Kunden Unternehmen entdecken. Unsere Anregung für eine mögliche erste Kampagne: Wähle ein Angebot und ein sinnvolles Ergebnis, etwa eine qualifizierte Anfrage. Kläre Zugang und Erfolgsmessung, bevor du ein Budget einsetzt.

Qwen-Image-2.1: transparente Bilder und Bearbeitung mit mehreren Vorlagen

Qwens neues herunterladbares Bildmodell kann Bilder erstellen und bearbeiten, transparente Hintergründe erzeugen, Motive aus Fotos freistellen und bis zu zehn Referenzbilder verarbeiten. Die offizielle Modellbeschreibung enthält Einrichtungshinweise und einen Demo-Link. Denkbare Anwendungen sind Versuche mit freigestellten Produktbildern, Präsentationsgrafiken oder Varianten eines Entwurfs. Wer das Modell selbst betreiben möchte, braucht eine technische Einrichtung.2

Für Unternehmen entscheidend ist die Lizenz: Die Forschungslizenz erlaubt nur nichtkommerzielle Forschung und Bewertung. Kommerzielle Nutzung erfordert eine separate Lizenz von Qwen. Herunterladbare Modellgewichte bedeuten deshalb keine uneingeschränkte geschäftliche Nutzung.3

Qwen ergänzt Audio- und Videoanalyse um ein separates Echtzeitmodell

Alibaba führt Qwen3.8-Omni-Flash mit dem Startdatum 17. September. Das Modell verarbeitet Text, Bilder, Audio und Video und gibt Text aus. Denkbare Anwendungen sind Zusammenfassungen und Auswertungen von Aufzeichnungen. Die Veröffentlichungsliste nennt außerdem eine separate Echtzeitvariante vom 21. September für den internationalen Dienst in Singapur. Sie unterstützt laufende Audio- und Videogespräche mit Text- oder Sprachausgabe. Die Nutzung dieser Modelle erfordert eine Einbindung in eine Anwendung.4

Die hilfreiche Unterscheidung: Eine Aufnahme auszuwerten und ein laufendes Gespräch zu führen sind verschiedene Aufgaben. Wer einen Besprechungsassistenten oder einen Sprachdienst für Kunden plant, sollte die passende Variante wählen und mit eigenen Beispielen prüfen.

Drei nützliche Ideen für deinen Arbeitsalltag

Aus Besprechungsnotizen werden Bericht und Folien

Ein Praxistipp zur Claude-Meldung der Vorwoche: Anthropic hat am 16. September Claude Docs und Claude Slides vorgestellt. Damit lassen sich Dokumente und Präsentationen im Gespräch erstellen und bearbeiten. Folien kannst du als PowerPoint oder PDF exportieren. Die Funktionen sind als Beta in kostenpflichtigen Tarifen verfügbar. Die Zusammenführung von Cowork und Chat wird zunächst über mehrere Wochen für Pro und Max ausgerollt. Der Zugang kann daher je nach Konto variieren.5

Falls die Funktionen bei dir verfügbar sind: Gib Claude einen erfundenen Projektstand und lass daraus einen einseitigen Bericht sowie fünf Folien erstellen. Nenne die Zielgruppe, anstehende Entscheidungen und offene Fragen. Vergleiche vor dem Teilen jede Zahl mit deinen Notizen.

Lass einen Entwurf gegenlesen

Simon Willison beschreibt, wie er KI für Rechtschreibung, Grammatik und Faktenprüfungen nutzt, seine Texte aber selbst schreibt. Daraus lässt sich ein Prüfdurchgang für Angebote, Produktbeschreibungen oder Kundenmails ableiten. Auch KI-Korrekturen können falsch sein. Prüfe sachliche Änderungsvorschläge deshalb selbst.6

Ein Arbeitsauftrag zum Ausprobieren: „Prüfe diesen Entwurf. Liste unklare Aussagen, fehlende Informationen und Behauptungen auf, die einen Beleg brauchen. Begründe jeden Hinweis. Schreibe den Text noch nicht um.“ Anschließend entscheidest du, welche Änderungen deiner Botschaft helfen.

Setze KI dort ein, wo eine Beurteilung nötig ist

Laut den veröffentlichten Shownotes seines Interviews bei Cognitive Revolution empfiehlt Zapier-Chef Wade Foster, KI für einzelne Denkschritte einzusetzen und den Rest mit festem Programmcode auszuführen. Das ist ein Vorschlag für den Aufbau eines Ablaufs, kein Beleg für die Zuverlässigkeit einer bestimmten Automatisierung.7

Unser Beispiel für eine Kundenanfrage: KI schlägt eine Kategorie vor und entwirft eine Antwort. Feste Regeln weisen das zuständige Team zu. Ein Mensch prüft die Antwort. Zeichne diesen Ablauf zunächst auf Papier. Dafür musst du noch keine Verbindung zwischen Anwendungen einrichten.

In fünf Minuten ausprobieren

Hamel Husain erinnert auf X daran, KI-Zuordnungen mit menschlichen Bewertungen zu vergleichen und sie nicht nur an bekannte Beispiele anzupassen. Unsere kleine Übung greift diesen Gedanken auf.8

  1. Notiere die richtigen Kategorien für diese erfundenen Nachrichten: „Bitte schicken Sie mir meine Rechnung erneut“ → Abrechnung. „Die App stürzt beim Öffnen ab“ → Technischer Support. „Können wir eine Vorführung für unser Team vereinbaren?“ → Vertrieb.
  2. Öffne deinen gewohnten KI-Chat. Füge nur die drei Nachrichten ein und schreibe: „Ordne jede Nachricht Abrechnung, Technischer Support oder Vertrieb zu. Nenne die Kategorie und einen kurzen Grund. Falls keine eindeutige Zuordnung möglich ist, antworte mit Unklar.“
  3. Vergleiche die Antworten mit deiner Liste. Zähle die richtigen Zuordnungen. Teste dann eine neue Nachricht, die du selbst bewertet hast, ohne der KI die erwartete Antwort zu zeigen.

Das Ergebnis ist eine kleine, wiederholbare Prüfung. Drei einfache Beispiele belegen noch keine Zuverlässigkeit. Ergänze vor einem echten Einsatz neue, mehrdeutige Fälle und lege fest, wann ein Mensch prüfen soll.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

In „The Overhang“ beschreibt Ethan Mollick, wie er KI-Projekte in vertrauten Bereichen auswählt, Fehler erkennt und eine weitere Version anfordert. Unsere Anregung daraus: Beginne mit einer Aufgabe, deren Ergebnis du beurteilen kannst. Notiere vor dem nächsten Versuch das gewünschte Ergebnis und zwei Kriterien, an denen du es prüfst. Dein Wissen über das Geschäft hilft dir bei dieser Beurteilung.9

Quellen

  1. Reimagining advertising with AI (openai.com)
  2. Qwen releases Qwen/Qwen-Image-2.1 on Hugging Face (huggingface.co)
  3. Qwen-Image-2.1 Research License: commercial use requires a separate license (huggingface.co)
  4. Qwen3.8-Omni-Flash: audio/video analysis and new realtime variant (alibabacloud.com)
  5. Claude Cowork and chat are now one Claude (claude.com)
  6. How To Write With An LLM (simonwillison.net)
  7. No Code Is Code: Zapier CEO Wade Foster on Headless Tools, Zapier MCP & Automation Bench (cognitiverevolution.ai)
  8. @hamelhusain: Can you use Jev for Evals? Yes! Remember that a LLM Judge is also classifier*.

Make sure to test your classifiers against human labels and don't overfit.

Hope this helps!